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Forschungsprojekt - DECODE
EU-Projekt zur Optimierung der Lebensdauer von Brennstoffzellen
"Mein Motor braucht nur Luft und Wasserstoff." Mit dieser Aufschrift
könnten sich bald viele Fahrzeuge schmücken, aus deren
Auspuff weder schädliche Gase noch Rußpartikel kommen, denn
Energie aus wasserstoffgespeisten Brennstoffzellen zu gewinnen, ist
keine weltfremde Träumerei. Mehrere solcher neuartigen Automotoren
stehen kurz vor der Marktreife. Sorge bereitet den Entwicklern derzeit
vor allem das "Abfallprodukt" Wasser. Mittels Experimenten und
Computersimulationen wird in einem europaweiten Projekt untersucht, wie
verhindert werden kann, dass flüssiges Wasser dünne
Materialschichten in Brennstoffzellen beschädigt und so ihre
Lebensdauer verkürzt. An der Universität
Erlangen-Nürnberg beteiligen sich zwei Lehrstühle und das
Regionale Rechenzentrum Erlangen (RRZE) an den Forschungen, für
die ein Budget von insgesamt 5,6 Millionen Euro bereitgestellt ist.
Mit einer Fördersumme von 3,7 Millionen unterstützt die
Europäische Union das Großprojekt mit der Abkürzung
DECODE. Für die Erlanger Projekte sind 560.000 Euro vorgesehen,
von denen die EU drei Viertel trägt. Der Lehrstuhl für
Informatik 10 von Prof. Dr. Ulrich Rüde, der Lehrstuhl für
Theoretische Physik I von Prof. Dr. Klaus Mecke und das RRZE
kooperieren in diesem Projekt mit der Chalmers University in
Göteborg, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.
sowie drei weiteren Forschungsinstituten und fünf
Industriepartnern aus Deutschland, Schweden, Frankreich, Italien und
den Niederlanden. Im Frühjahr 2011 sollen die Forschungen
abgeschlossen sein.
Umleitung für Elektronen
Brennstoffzellen, die ursprünglich in den Apollo- und
Space-Shuttle-Programmen für die Raumfahrt entwickelt wurden,
wandeln mit einem hohen Wirkungsgrad chemische in elektrische Energie
um. Inzwischen existieren unterschiedliche Arten, die auf verschiedenen
Reaktionen basieren. Die bekannteste ist die
Proton-Exchange-Membrane(PEM)-Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff und
Sauerstoff arbeitet.
Eine PEM-Brennstoffzelle besteht aus mehreren Schichten. An zentrale
Stelle steht eine Membran, die lediglich für Protonen und ihre
positive Ladung "durchlässig" ist, jedoch nicht für
Elektronen. Auf jeder Seite der Membran liegt eine Elektrode. Eine
Metallplatte mit eingearbeiteten Kanälen leitet das Gas dorthin.
Wenn nun Wasserstoff auf der Anoden-Seite einströmt, können
nur die Protonen des Gases die Membran passieren, die Elektronen jedoch
werden aufgehalten. Sie müssen den Umweg über die Elektroden
nehmen, passieren eine zwischengeschaltete Verbrauchsstation -
beispielsweise einen Elektromotor - und geben dabei Energie ab. Auf der
anderen Seite, der Kathode, kombinieren sie mit dem Sauerstoff der
einströmenden Luft und den diffundierten Protonen zu Wasser. Da
Wasserstoff leicht zu gewinnen ist und Wasser als einziges Endprodukt
entsteht, sind Brennstoffzellen umweltfreundliche Energieerzeuger.
Notwendige Feuchtigkeit und überflüssiges Wasser
Das Projekt DECODE (engl. Akronym für "Untersuchung von
Degenerationsmechanismen zur Verbesserung von Komponenten und Design
von PE-Brennstoffzellen") befasst sich mit
Polymer-Elektrolyt(PE)-Brennstoffzellen. Deren Betriebstemperatur
liegt im Bereich um die 60-80°C, womit sie in die Kategorie der
Niedrigtemperaturbrennstoffzellen fallen. Außer in vielerlei
anderen Einsatzgebieten sind sie deshalb auch für die
Automobilindustrie interessant. Viele der wichtigsten Hindernisse
wurden mittlerweile von Automobil-Firmen wie Opel, Volvo und Mercedes
überwunden: der Kaltstart zu Beginn der Fahrt, wenn die
Brennstoffzelle noch nicht auf Arbeits-temperatur ist; eine
höhere Leistung durch Aneinanderreihen mehrerer Zellen und die
Wasserstoffaufbewahrung in speziellen Hochdrucktanks. Die Lebensdauer
bleibt aber bisher ein Problembereich.
Die Effizienz und elektrische Leistung der Brennstoffzelle hängt
stark davon ab, ob die che-mischen Reaktionen ungehindert und optimal
ablaufen können. Dafür sorgen Katalysator-schichten und
Beschichtungen des porösen Materials der Elektrode. Eine gewisse
Feuchtigkeit muss zwar in der Kathode vorherrschen, doch flüssiges
Wasser kann die Beschichtungen über eine Vielzahl von mechanischen
und chemischen Prozessen abtragen und zerstören. Auf lange Frist
beeinträchtigt das die Leistungsfähigkeit der
Brennstoffzelle. Im Projekt DECODE soll das Verhalten des Wassers und
seine Auswirkung auf die Lebensdauer der Materialien bestimmt werden.
Aufgabe der beiden Lehrstühle der Universität
Erlangen-Nürnberg im Projekt ist es, das Verhalten des Wassers in
der porösen Gasdiffusionsschicht der Elektrode auf dem Computer zu
simulieren und die Reaktion auf gealterte Materialien zu untersuchen.
Dabei werden zwei verschiedene Verfahren angewandt: Die Informatik
simuliert mittels der Lattice-Boltzmann-Methode die grobporigere
Schicht mit Poren im Mikrometerbereich (ein millionstel Meter); die
Theoretische Physik wendet Methoden der Molekulardynamik in der
feinporigeren Schicht an, deren Poren im 100-Nanometer-Bereich (100
milliardstel Meter) liegen.
Supercomputer bis zur Grenze gefordert
Für diese Simulationen fallen riesige Datenmengen im
10-Terabyte-Bereich an (ein Terabyte sind ca 1.000 Gigabyte), die
gleichzeitig im Speicher des Computers gehalten werden müssen.
Solch immens große Simulationen sind nur mit modernsten
Supercomputern möglich, wie etwa dem leistungsfähigsten
deutschen Rechner HLRB2 am Leibniz-Rechenzentrum in Garching. Er kann
62 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde ausführen und hat 39
Terabyte Hauptspeicher, das ist ungefähr 20.000 Mal so viel wie
ein handelsüblicher PC. Der Rechner, der mit diesen Leistungen auf
Platz 15 der 500 schnellsten Computer weltweit liegt, ist gerade
ausreichend für diese Simulationen.
Mit den Ergebnissen der Simulationen sollen die Industriepartner
Methoden entwickeln kön-nen, die Eigenschaften und damit die
Lebensdauer der Materialien zu verbessern. Die EU fördert DECODE
innerhalb des Sektors "Energie" im Rahmen-Förderungsprogramm FP7.
Diesem Sektor wurde ein Gesamt-Budget von 2,3 Milliarden Euro zur
Verfügung gestellt. Damit sollen wissenschaftliche Grundlagen
dafür geschaffen werden, Energiekosten einzusparen und den
Klimawandel abzuschwächen.
Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist
mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000
wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die
größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in
Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von
Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und
Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel
"familiengerechte Hochschule".
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