Die weltweiten Datenautoabahnen werden immer voller - kein Wunder, dass
drahtlose Übertragungswege immer attraktiver werden. Doch die
gegenwärtigen Systeme wie WLAN oder Bluetooth haben ihre Grenzen:
Sie übertragen die Daten mit Taktraten von maximal einigen
Gigahertz (einer Milliarde Schwingungen pro Sekunde). Will man die
übertragene Datenmenge steigern, müssen die Taktraten noch
schneller werden. So rückt der Bereich der Terahertzwellen (1000
Milliarden Schwingungen pro Sekunde) ins Visier - zumindest für
kurze Reichweiten wie beispielsweise innerhalb von Räumen. Doch
bislang ist es hier äußerst schwierig, genügend
Sendeleistung zu erzeugen und zu übertragen. Das könnte sich
jetzt ändern. Ingenieure und Physiker des Terahertz Communications
Lab in Braunschweig, einer Kooperation der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (PTB) und der Technischen Universität Braunschweig,
haben jetzt weltweit erstmals erfolgreich ein Videosignal bei einer
Frequenz von 300 GHz über 22 Meter hinweg übertragen und so
gezeigt, dass die Übertragung von Nutzdaten mit Terahertzwellen
möglich ist.
Durchgeführt wurde der Demonstrationsversuch in einem langen Flur
der PTB vom Absolventen der TU Braunschweig Christian Jastrow. Bis
Terahertz-Wellen in den WLANs von übermorgen eingesetzt werden
können, ist jedoch noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten.
„Unser Experiment ist erst der erste Schritt auf einem langen
Weg. In Kürze wollen wir die Datenraten steigern und 1-2 Gigabit
pro Sekunde übertragen“, so Jastrow der jetzt an der PTB
promoviert.
Das berühmte Moore'sche Gesetz, das für die
Leistungsfähigkeit von Computern gilt, kann man genauso gut auf
das Volumen von drahtlos übertragenen Daten anwenden: Auch hier
haben sich im Schnitt alle 18 Monate die Datenraten verdoppelt. So ist
die Zeit von WLAN und Bluetooth gezählt: Diese Technik wird bald
schlicht zu langsam sein.
Doch will man höhere Taktraten, muss man noch einige Probleme
lösen, die der Bereich der Terahertzwellen eben mit sich bringt:
Sie sind zwar schnell, aber nicht besonders energiereich; diese Art von
elektromagnetischer Strahlung (Terahertzstrahlung bewegt sich zwischen
Infrarot- und Mikrowellenstrahlung und ist im Grunde nichts anderes als
sanfte Wärmestrahlung) wird schnell von der Atmosphäre
geschluckt.
Darum konzentriert sich die Forschung zunächst darauf, sie
für kurze Reichweiten, also zum Beispiel innerhalb von
geschlossenen Räume oder höchstens innerhalb von einzelnen
Gebäuden nutzbar zu machen. Hier allerdings erhoffen sich die
Wissenschaftler schnelle Erfolge, denn auch der technische Fortschritt
bei der Entwicklung der nötigen Bauteile (neuartigen
Halbleiterbauelementen und Integrationstechniken für planare
Schaltungen) lässt erwarten, dass es demnächst gelingt,
geeignete Komponenten für kompakte und damit marktfähige
Kommunikationssysteme zu bauen.
Vor diesem Hintergrund ist im Jahr 2006 das Terahertz Communications
Lab gegründet worden: Wissenschaftler der TU Braunschweig (drei
Labore) und der PTB (ein Labor) haben darin ihre Kompetenzen
gebündelt, um gemeinsam Terahertz-Kommunikationssysteme zu
entwickeln sowie die Eigenschaften dieses Übertragungsweges zu
erforschen. Aufgabe der PTB ist es dabei, an der Entwicklung von
Messtechnik für zukünftige Komponenten und Systeme
mitzuarbeiten.
Um die Übertragungseigenschaften von
Terahertz-Kommunikationssystem zu untersuchen, wurde ein
300-GHz-Übertragungssystem auf Basis von Schottky-Diodenmischern
aufgebaut. Damit haben die Wissenschaftler jetzt als
Demonstrationsexperiment weltweit zum ersten Mal ein Videosignal bei
einer Frequenz von 300 GHz über 22 Meter hinweg übertragen.
Es ist also möglich, Nutzdaten auf diesem Wege zu übertragen.
Man könnte auch sagen: Das Terahertz-Zeitalter hat begonnen!
Wissenschaftliche Originalveröffentlichung:
C.
Jastrow, K. Münter, R. Piesiewicz, T. Kürner, M. Koch and T.
Kleine-Ostmann, 300 GHz Transmission System, Electron. Lett. 44,
213-214 (2008)
Ansprechpartner:
Dr. Thomas Kleine-Ostmann, PTB-Arbeitsgruppe 2.21 Elektromagnetische Felder, Tel. (0531) 592 2210, E-Mail: thomas.kleine-ostmann@ptb.de